Aus der Wissenschaft

Barmherzigkeit – ein Zeugnis, das überzeugt

Redaktion am 03.06.2025

Ein Beitrag von Johannes Brantl, Professor für Moraltheologie und Rektor der Theologischen Fakultät Trier.

I. Basa­le Spra­che der Evangelisierung

Ein von der schwei­ze­ri­schen Ordens­schwes­ter und Künst­le­rin Cari­tas Mül­ler OP gestal­te­tes Kera­mik-Reli­ef mit dem Titel Die barm­her­zi­ge Drei­ei­nig­keit“ bringt ein­drucks­voll die Kern­bot­schaft der christ­li­chen Rede von Gott zum Aus­druck. Zu sehen sind auf die­ser im Ori­gi­nal 4540 cm gro­ßen Dar­stel­lung drei hel­le Rin­ge bzw. Bögen, die sich um einen vier­ten dunk­le­ren Ring bzw. Bogen in der Mit­te sam­meln. In die­ser Mit­te befin­det sich die rela­tiv dun­kel, erdig gefärb­te Gestalt eines Men­schen, in sich zusam­men­ge­sun­ken, ohn­mäch­tig im dop­pel­ten Sin­ne des Wor­tes. Die in jeder Hin­sicht hilfs­be­dürf­ti­ge Gestalt in der Mit­te wird auf­ge­fan­gen, oder bes­ser gesagt: umfan­gen von der Barm­her­zig­keit Got­tes, illus­triert in den drei hel­len äuße­ren Rin­gen bzw. Bögen. Von einem gro­ßen Ring auf der rech­ten Sei­te des Reli­efs her umfängt Gott, der Vater, den arm­se­li­gen Men­schen; ihn zärt­lich auf die Schlä­fe küs­send, greift er ihm unter die Arme, trägt ihn, hält ihn. Im Ring auf der lin­ken Sei­te umfasst Jesus Chris­tus, der Sohn, die Füße der mit­leid­erre­gen­den Gestalt in der Mit­te; ganz tief beugt er sich, wie bei der Fuß­wa­schung, berührt den Spann mit sei­nen Lip­pen. Aus dem drit­ten obe­ren Ring der Kera­mik wen­det sich – dar­ge­stellt zugleich im Bild der Tau­be und der Feu­er­zun­gen – Gott, der Hei­li­ge Geist, dem ohn­mäch­ti­gen Men­schen zu; sei­ne Dyna­mik soll den Dar­nie­der­lie­gen­den mit neu­em Leben erfül­len, auf­rich­ten und stärken.

Die­se aus­drucks­star­ke und anspre­chen­de Dar­stel­lung des drei­ei­ni­gen Got­tes, der sich sei­nem mensch­li­chen Geschöpf gegen­über so treu­sor­gend, lie­be­voll und barm­her­zig zeigt, hat Ste­fan Oster SDB als Motiv für das Erin­ne­rungs­bild zu sei­ner Pries­ter­wei­he und Pri­miz im Jahr 2001 aus­ge­wählt. Damit lässt der Sale­sia­ner Don Boscos, der seit dem Jahr 2014 als Bischof die Diö­ze­se Pas­sau lei­tet und im Juni 2025 sei­nen 60. Geburts­tag bege­hen kann, gleich zu Beginn sei­nes Wir­kens als Theo­lo­ge, Pries­ter und Bischof erken­nen, was für ihn das Leit­mo­tiv christ­li­cher Ver­kün­di­gung in Wort und Tat mar­kiert. Es geht dar­um, Got­tes Zuwen­dung und Lie­be, sein Erbar­men und sei­nen Trost exis­ten­ti­ell im eige­nen Leben zu erfas­sen und – berührt von der Barm­her­zig­keit Got­tes – selbst zum bered­ten Zeu­gen die­ser barm­her­zi­gen Lie­be bei den Men­schen in der Welt von heu­te zu werden. 

Mit Barm­her­zig­keit ist dabei nicht bloß ein mora­lisch qua­li­fi­zier­tes Ver­hal­ten gemeint, eine Pra­xis des Respekts und der sor­gen­den Auf­merk­sam­keit gegen­über dem Ande­ren. In ihr begeg­net viel­mehr ein ganz­heit­li­cher Anspruch im Sin­ne der Ein­übung in die Lebens­form des mensch­ge­wor­de­nen Got­tes Jesus Chris­tus, eine exis­ten­ti­el­le Prä­gung des­sen, der sich in die Nach­fol­ge des Herrn stel­len und auf die­sem Weg maß­geb­lich vom Stil Got­tes“ (Papst Fran­zis­kus) lei­ten las­sen will. Auf die­ser Basis wird dann das christ­li­che Leben in sei­nen Voll­zü­gen zu einem wir­kungs­vol­len Instru­ment der (Neu-)Evangelisierung: Barm­her­zig­keit zu prak­ti­zie­ren ist bereits authen­ti­sche Kate­che­se; sie ist Kate­che­se in Akti­on, ein bered­tes Zeug­nis für Gläu­bi­ge und Nicht­glau­ben­de, Mani­fes­ta­ti­on der Ver­bin­dung zwi­schen Ortho­do­xie und Orthop­ra­xie: Aus die­sem Grund muss sich die Neue­van­ge­li­sie­rung der Spra­che der Barm­her­zig­keit bedie­nen, die zuerst aus Ges­ten und Hal­tun­gen besteht und erst dann aus Wor­ten.‘“1 

Das Bemü­hen um eine in die­ser Hin­sicht sprach­fä­hi­ge und über­zeu­gen­de Evan­ge­li­sie­rung muss dabei zunächst auch immer wie­der in die Tie­fen­di­men­si­on mensch­li­cher Exis­tenz und in einen ste­ten Pro­zess der Umkehr bzw. der Erneue­rung und Ver­tie­fung der Got­tes­be­zie­hung füh­ren. Am bibli­schen Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn und barm­her­zi­gen Vater (Lk 15,1132) sol­len dazu im Fol­gen­den eini­ge Per­spek­ti­ven auf­ge­wie­sen wer­den, bevor dann in einem wei­te­ren Schritt die Dimen­sio­nen einer Barm­her­zig­keit gegen­über sich selbst und der Barm­her­zig­keit gegen­über dem Nächs­ten in ihrer wech­sel­sei­ti­gen Durch­drin­gung zur Spra­che kommen.

II. Mensch­li­che Gebro­chen­heit und gött­li­che Barmherzigkeit

1. Auf dem Weg zur exis­ten­ti­el­len Enttäuschung

Vie­le Tex­te der Hl. Schrift, ange­fan­gen bei der bibli­schen Urge­schich­te im Buch Gene­sis bis hin zu den Gleich­nis­sen Jesu im Neu­en Tes­ta­ment, füh­ren wesent­li­che Züge der mensch­li­chen Exis­tenz – ins­be­son­de­re deren Erlö­sungs­be­dürf­tig­keit – vor Augen. Das im Lukas-Evan­ge­li­um über­lie­fer­te Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn bie­tet dies­be­züg­lich ein Para­de­bei­spiel des­sen, was man als geschei­ter­te Exis­tenz“ zu bezeich­nen pflegt. Allein schon das Weg­ge­hen des jün­ge­ren Soh­nes im Gleich­nis ist weit ver­werf­li­cher als dies auf den ers­ten Blick erschei­nen mag. Denn es han­delt sich hier nicht bloß um ein eman­zi­pa­to­ri­sches und explo­ra­ti­ves Auf­bre­chen des jun­gen Erwach­se­nen, wie es legi­tim ist; die Ein­for­de­rung des Ver­fü­gungs­rech­tes über sein Erb­teil impli­ziert viel­mehr nach ori­en­ta­li­schem Den­ken den Wunsch, dass er den Vater eher tot als leben­dig sehen möchte. 

Zieht man hier in Betracht, dass der Vater im Gleich­nis Gott selbst reprä­sen­tiert, dann mar­kiert eben die­se radi­ka­le Abkehr des Soh­nes jenes Moment, das Tho­mas von Aquin in Anleh­nung an Aure­li­us Augus­ti­nus als den Wesens­kern jeder Sün­de iden­ti­fi­ziert hat: die aver­sio a deo et con­ver­sio ad crea­turam“2, die Abwen­dung von Gott und die Hin­wen­dung zum Geschaf­fe­nen“. Gemeint ist damit, dass der Mensch immer dann in die exis­ten­ti­el­le und mora­li­sche Irre geht, wenn er in sei­nem per­sön­li­chen Wert­maß­stab und Leben etwas Beding­tes, End­li­ches, ein ver­gäng­li­ches Gut an die Stel­le des einen wahr­haft unbe­ding­ten, ewi­gen Got­tes setzt. Oder anders gesagt: Die Suche nach Sinn und Erfül­lung bewegt sich im Reich jener Wer­te, die zwar süch­tig“ machen, aber das tiefs­te Suchen des Men­schen doch nicht stil­len kön­nen. Vom ver­lo­re­nen Sohn“ heißt es im Gleich­nis nach des­sen Weg­gang in ein fer­nes Land“ recht lapi­dar: Dort führ­te er ein zügel­lo­ses Leben und ver­schleu­der­te sein Ver­mö­gen.“ (Lk 15,13b) Vie­les lässt sich dar­un­ter sub­su­mie­ren, was damals wie heu­te zum Sucht­ver­hal­ten eines Men­schen gehö­ren kann – von der Sucht nach Enter­tain­ment und per­ma­nen­ter Zer­streu­ung, über die Sucht nach gesell­schaft­li­cher Gel­tung und Bewun­de­rung oder die Sucht nach Luxus und immer aus­ge­fal­le­ne­ren kuli­na­ri­schen Genüs­sen bis hin zur Sucht nach sexu­el­ler Befrie­di­gung ohne Unter­schei­dung zwi­schen Lust und Lie­be. So sehr die Ver­göt­zung von end­li­chen Wer­ten, die der sün­di­ge Mensch in sei­nem Leben an die Stel­le des einen wahr­haft unbe­ding­ten, ewi­gen Got­tes setzt, auch kurz­fris­tig Erfül­lung vor­täu­schen mag – auf Dau­er führt sie zwangs­läu­fig, wie es der evan­ge­li­sche Theo­lo­ge und Reli­gi­ons­phi­lo­soph Paul Til­lich prä­gnant aus­ge­drückt hat, zur exis­ten­ti­el­len Ent­täu­schung“3.

2. In den Armen des barm­her­zi­gen Vaters

Umkehr, Hin­wen­dung zu Gott, zum leben­di­gen und barm­her­zi­gen Urgrund allen Seins, ist so gese­hen immer wie­der Anspruch und Zuspruch christ­li­cher Exis­tenz, denn eine Erlö­sung aus den Fall­stri­cken der Sün­de kann nur unter der Vor­aus­set­zung statt­fin­den, dass der Mensch ernst­haft bereit ist, sich einer Kon­fron­ta­ti­on mit der eige­nen Schuld zu stel­len, die Tat­sa­che sei­ner Ver­feh­lung anzu­er­ken­nen und zu beken­nen. Das heil­sa­me Emp­fin­den von Reue, wel­ches den Aus­gangs­punkt für Umkehr und neu­es Ver­hal­ten bil­det, kann erst dort kei­men und wach­sen, wo der gegen­über dem sitt­li­chen Anspruch geschei­ter­te Mensch zur Wahr­heit ste­hen kann, dass er die­ses oder jenes wirk­lich getan hat. Im Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn und barm­her­zi­gen Vater fin­det sich gleich zwei­mal, schon vor dem Auf­bruch zum Vater und dann noch ein­mal in der Begeg­nung mit dem Vater, das glas­kla­re Bekennt­nis des Soh­nes: Vater, ich habe mich gegen den Him­mel und gegen dich ver­sün­digt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.“ (Lk 15,18f. und 15,21)

Von die­ser bibli­schen Sze­ne der Heim­kehr des ver­lo­re­nen Soh­nes“ gibt es eine über­aus beein­dru­cken­de Dar­stel­lung des nie­der­län­di­schen Malers Rem­brandt van Rijn (16061669). Das Ori­gi­nal des Gemäl­des hängt seit dem Jahr 1766 in der Kunst­ga­le­rie der Ere­mi­ta­ge in St. Peters­burg und ver­mit­telt vie­len Betrach­tern auf ganz eigen­tüm­li­che, den Ver­stand und das Gefühl glei­cher­ma­ßen bewe­gen­de Art und Wei­se eine Vor­stel­lung davon, was Erlö­sungs­be­dürf­tig­keit, Erlö­sungs­fä­hig­keit und Erlö­sung selbst bedeu­ten. Rem­brandt war dem Tode nahe, als er die Heim­kehr des ver­lo­re­nen Soh­nes“ mal­te; es ist eines der letz­ten Bil­der die­ses genia­len Künst­lers und man kann es durch­aus als die letz­te gro­ße Aus­sa­ge eines sehr beweg­ten und gequäl­ten Lebens ver­ste­hen. Denn die Bio­gra­phen Rem­brandts zeich­nen über­ein­stim­mend ein Lebens­bild des Barock­ma­lers, das eine frap­pie­ren­de Ähn­lich­keit mit der Gleich­nis­ge­stalt des ver­lo­re­nen Soh­nes auf­weist: In jun­gen Jah­ren bereits fel­sen­fest von sei­nem Genie und sei­nem Erfolg über­zeugt, dem Luxus ver­fal­len, begie­rig nach Geld, Bewun­de­rung und Ruhm, wenig Mit­ge­fühl für die Men­schen um ihn her­um auf­brin­gend, muss­te Rem­brandt nach einer kur­zen Zeit des Wohl­stands und des Wohl­le­bens eine so ver­hee­ren­de Serie von pri­va­ten Schick­sals­schlä­gen und beruf­lich-finan­zi­el­len Rück­schlä­gen erle­ben, dass er schließ­lich sei­ne letz­ten Jah­re ein­sam und völ­lig mit­tel­los zubrach­te. Hat­te noch der jugend­li­che Rem­brandt ein Selbst­por­trät ange­fer­tigt, das ihn aus­ge­las­sen und in prunk­vol­len Gewän­dern als Bor­dell­be­su­cher zeigt, bringt sei­ne Selbst­dar­stel­lung im heim­ge­kehr­ten Sohn, der vor dem Vater kniet und sein Gesicht an des­sen Brust schmiegt, wohl auch die schmerz­li­che Erkennt­nis des einst so selbst­be­wuss­ten und erfolg­rei­chen Künst­lers zum Aus­druck, dass sich vie­le sei­ner Lebens­in­hal­te als Wind­hauch erwie­sen haben. Und zugleich – das ist das eigent­lich Bemer­kens­wer­te und Berüh­ren­de – scheint Rem­brandt in sei­nen ein­sa­men und kar­gen letz­ten Lebens­jah­ren weder ver­bit­tert noch ver­härmt gewe­sen zu sein; ganz im Gegen­teil: Selbst in den Bil­dern sei­ner letz­ten Schaf­fens­pe­ri­ode zeigt sich eine zuneh­men­de Wär­me und Inner­lich­keit, die ahnen lässt, dass hier ein Mensch das Erbar­men Got­tes gesucht und die Ver­ge­bung Got­tes – Erlö­sung – gefun­den hat.

Der geist­li­che Schrift­stel­ler Hen­ri Nou­wen hat es in sei­nen viel­be­ach­te­ten Betrach­tun­gen zum Gemäl­de Rem­brandts ein­mal so auf den Punkt gebracht: Sel­ten – wenn über­haupt jemals – wur­de Got­tes uner­mess­li­che barm­her­zi­ge Lie­be in so ergrei­fen­der Wei­se dar­ge­stellt. Jede Ein­zel­heit der Gestalt des Vaters – sein Gesichts­aus­druck, sei­ne Hal­tung, die Far­ben sei­ner Klei­dung und vor allem die stum­me Ges­te sei­ner Hän­de – spricht von der gött­li­chen Lie­be zum Men­schen­ge­schlecht, die von Anfang an da war und immer da sein wird. Alles kommt hier zusam­men: die Geschich­te Rem­brandts, die Geschich­te der Mensch­heit und die Geschich­te Got­tes. Zeit und Ewig­keit über­schnei­den sich; nahen­der Tod und immer­wäh­ren­des Leben berüh­ren ein­an­der. Sün­de und Ver­ge­bung umar­men sich; das Mensch­li­che und das Gött­li­che wer­den eins.“4

III. Geleb­te Barm­her­zig­keit – zwei sich durch­drin­gen­de Dimensionen

1. Barm­her­zig­keit gegen­über sich selbst

Das Motiv der Umkehr und der Hin­wen­dung zu Gott, wie es im Gleich­nis vom ver­lo­re­nen Sohn und barm­her­zi­gen Vater auf­scheint, darf nicht außer Acht las­sen, dass Got­tes Han­deln und die dar­in erfahr­ba­re Barm­her­zig­keit dem Men­schen stets vor­aus­liegt; ehe der Mensch über­haupt der Gegen­wart Got­tes gewahr wird, geht Gott immer schon auf den Men­schen zu, ist Got­tes Lie­be bereits als tra­gen­der Grund der mensch­li­chen Exis­tenz prä­sent. Für die Pra­xis der Barm­her­zig­keit im Sin­ne einer authen­ti­schen Spra­che der Neue­van­ge­li­sie­rung5 stellt es inso­fern eine unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung dar, dass der Mensch zunächst ein­mal das Ver­hält­nis zu sich selbst in den Blick nimmt und des­sen Trag­fä­hig­keit für ein wirk­lich frei­es Sich-geben“ dem Ande­ren gegen­über beleuch­tet. Ste­fan Oster dazu: Mein Mich-geben‘ lebt näm­lich aus dem Ver­trau­en des Schon-bejaht-seins‘ von Grund auf. Und es stellt mich vor die Auf­ga­be, die­se Beja­hung mit­zu­voll­zie­hen – und damit zugleich immer neu auch die Beja­hung in den Grund, der mich trägt.“6

Allein auf der Basis einer grund­sätz­li­chen Annah­me des eige­nen Selbst, inklu­si­ve sei­ner Unvoll­kom­men­heit und Bedürf­tig­keit, kann das mensch­li­che Leben gelin­gen und eine über­zeu­gen­de Pra­xis der Barm­her­zig­keit, wel­che ande­re für das Reich Got­tes gewinnt, ins Werk gesetzt wer­den. Wer zu sich selbst kein gutes Ver­hält­nis hat, der kann auch zu ande­ren kein gutes Ver­hält­nis gewin­nen; wer das Ver­hält­nis zu sich selbst nicht geklärt hat, der bleibt in aller Regel viel zu sehr – sei es in nar­ziss­ti­scher Selbst­ver­liebt­heit oder in ängst­li­cher Selbst­be­haup­tung – mit sich selbst beschäf­tigt, als dass er sich sei­nen Mit­men­schen tat­säch­lich in lie­be­vol­ler Hin­ga­be zuwen­den könnte.

Der katho­li­sche Reli­gi­ons­phi­lo­soph Roma­no Guar­di­ni hat in einer klei­nen, aber gedank­lich sehr tie­fen Schrift zu die­sem The­ma sowohl die Schwie­rig­keit als auch die erlö­sen­de Wir­kung die­ser ele­men­ta­ren Auf­ga­be der Annah­me sei­ner selbst vor Augen geführt.7 An der Wur­zel einer geglück­ten mensch­li­chen Exis­tenz liegt das Ein­ver­ständ­nis des jewei­li­gen Men­schen, der zu sein, der er ist. Mit beque­mer Selbst­ge­fäl­lig­keit oder gar einem blin­den Fata­lis­mus hat das nichts zu tun. Viel­mehr trägt die­se Annah­me sei­ner selbst“ dem Sach­ver­halt Rech­nung, dass sich der Mensch selbst und in sei­nem Schick­sal weder erklä­ren noch bewei­sen, son­dern ledig­lich anneh­men kann. Um Guar­di­ni selbst zu zitie­ren: Und die Klar­heit und Tap­fer­keit die­ser Annah­me bil­det die Grund­la­ge alles Exis­tie­rens. Die­se For­de­rung kann ich auf bloß ethi­schem Wege nicht erfül­len. Ich kann es nur von etwas Höhe­rem her – und damit sind wir beim Glau­ben. Glau­ben heißt hier, dass ich mei­ne End­lich­keit aus der höchs­ten Instanz, aus dem Wil­len Got­tes her­aus ver­ste­he. […] Die Fra­gen der Exis­tenz: War­um bin ich der, der ich bin? war­um geschieht mir, was mir geschieht? war­um ist mir ver­sagt, was mir ver­sagt ist? war­um bin ich so, wie ich bin? war­um bin ich über­haupt, und nicht viel­mehr nicht? – die­se Fra­gen bekom­men ihre Ant­wort nur in der Bezie­hung auf Gott.“8

Es ist die im Glau­ben an Gott grün­den­de exis­ten­ti­el­le Selbst­an­nah­me, die sich in dem eben­so ein­fa­chen wie ele­men­ta­ren Satz Er ist Der, der mich mir gege­ben hat“9 aus­drü­cken lässt, wel­che dem Men­schen die Fähig­keit zur ver­trau­ens­vol­len Hin­ga­be an den Mit­men­schen und zum Werk der Barm­her­zig­keit verleiht.

2. Barm­her­zig­keit gegen­über den Mitmenschen

Der ent­schei­den­de Maß­stab, den Chris­tus für das Welt­ge­richt setzt, besteht nicht in ers­ter Linie in der treu­en Befol­gung lit­ur­gi­scher Vor­schrif­ten oder in der elo­quen­ten Ver­tei­di­gung theo­lo­gi­scher Wahr­hei­ten. Die pro­mi­nen­te Peri­ko­pe im Mat­thä­us-Evan­ge­li­um (Mt 25,3146) hebt mit allem Nach­druck die Bedeu­tung der sog. Wer­ke der Barm­her­zig­keit für das Wohl und Wehe der christ­li­chen Exis­tenz her­vor: Hun­gern­de spei­sen, Dürs­ten­den zu trin­ken geben, Frem­de auf­neh­men, Nack­te beklei­den, Kran­ke besu­chen und Gefan­ge­ne auf­su­chen. Die­se leib­li­chen Wer­ke der Barm­her­zig­keit – hin­zu­zu­fü­gen wäre auch noch Tote bestat­ten“ – haben nach wie vor eine unge­bro­che­ne Aktua­li­tät und hohe Dring­lich­keit; sowohl im kon­kret-unmit­tel­ba­ren Sinn als auch in einem wei­ter gefass­ten, über­tra­ge­nen Ver­ständ­nis. Daher hat die christ­li­che Tra­di­ti­on schon früh den leib­li­chen Wer­ken der Barm­her­zig­keit auch noch sog. geis­ti­ge Wer­ke der Barm­her­zig­keit“ zur Sei­te gestellt: Unwis­sen­de leh­ren, Zwei­feln­de bera­ten, Trau­ern­de trös­ten, Sün­der zurecht­wei­sen, Unrecht mit Geduld ertra­gen, denen, die uns belei­di­gen, ger­ne ver­zei­hen, und für Leben­de und Tote ger­ne beten.10

Letzt­lich wei­sen die Wer­ke der Barm­her­zig­keit immer wie­der auf die fun­da­men­ta­le Fra­ge hin, wie sich der Glau­be an einen Gott, der selbst die Lie­be ist und der bedin­gungs­los liebt, kon­kret und täg­lich, im ganz per­sön­li­chen Den­ken, Reden und Tun aus­prä­gen und mani­fes­tie­ren soll. Was folgt aus der gläu­bi­gen Ein­sicht, dass Gott sich als Schöp­fer, Ver­söh­ner und Erlö­ser offen­bart, dass er sei­ne blei­ben­de Zuwen­dung jedem ein­zel­nen Men­schen zuspricht, dass sei­ne lie­ben­de Sor­ge in beson­de­rer Wei­se den Ver­wun­de­ten, Unter­le­ge­nen und Geäch­te­ten gilt? Was heißt es, die Ein­zig­ar­tig­keit des ande­ren als Per­son anzu­er­ken­nen und zu ach­ten, weil Gott eben glei­cher­ma­ßen alle Men­schen unab­hän­gig von eth­ni­scher Her­kunft, sozia­lem Sta­tus, indi­vi­du­el­ler Bega­bung oder sons­ti­gen Eigen­schaf­ten als ein Du, als ein Gegen­über, als Per­son anspricht? Wel­che Kon­se­quen­zen erge­ben sich aus der zen­tra­len Bot­schaft Jesu in Wort und Tat, dass die Lie­be Got­tes gera­de nicht mit welt­li­chen Maß­stä­ben misst und daher auch der Sün­der kei­nes­wegs abge­schrie­ben und ver­sto­ßen, son­dern als Mensch trotz bzw. in sei­nem Sün­der­sein von Gott geliebt und zu einem immer mög­li­chen Neu­an­fang geru­fen wird?

Bei den Ant­wor­ten auf die­ses Fra­gen bleibt die Ori­en­tie­rung an einer Über­zeu­gung lei­tend, wie sie Papst Johan­nes Paul II. in der Enzy­kli­ka Dives in miser­i­cor­dia“ über das gött­li­che Erbar­men zum Aus­druck gebracht hat: dass näm­lich allein Lie­be und Erbar­men die Men­schen dazu brin­gen, ein­an­der in dem Wert zu begeg­nen, den der Mensch selbst in der ihm eige­nen Wür­de dar­stellt.11 Zudem wird in der theo­lo­gisch-ethi­schen Rede von der Barm­her­zig­keit deut­lich, „(…) dass Got­tes unbe­ding­te Lie­be als Hand­lungs­maß­stab buch­stäb­lich nicht fer­tig macht‘, son­dern recht­fer­tigt, also dass es um die Ver­hei­ßung und Ermög­li­chung von Zukunft geht.“12

Das viel­leicht ein­drucks­volls­te bibli­sche Para­dig­ma mensch­li­cher Barm­her­zig­keit gegen­über dem Nächs­ten steht im Gleich­nis vom Barm­her­zi­gen Sama­ri­ter“ (Lk 11,3037) vor Augen – der nie­der­län­di­sche Maler Vin­cent van Gogh (18531890) hat es in einem berüh­ren­den Gemäl­de sze­nisch umge­setzt, das 1989 in einem psych­ia­tri­schen Kran­ken­haus in der Pro­vence, nur weni­ge Mona­te vor dem Tod des Künst­lers, ent­stan­den ist.

Das Han­deln des Sama­ri­ters gewinnt vor allem dadurch beson­de­res Pro­fil, weil er sich von der Not des unter die Räu­ber gefal­le­nen Man­nes auf der Ebe­ne sei­ner mensch­li­chen Emp­fin­dun­gen13 anrüh­ren und zum Han­deln bewe­gen lässt. Isi­dor Baum­gart­ner hat dabei auf drei ent­schei­den­de Grund­hal­tun­gen hin­ge­wie­sen, wel­che die Ret­tungs­ak­ti­on des Man­nes aus Sama­ri­en durch­zie­hen.14 Die­se Grund­hal­tun­gen kön­nen nach wie vor als maß­geb­lich für ein wirk­lich über­zeu­gen­des Zeug­nis der Barm­her­zig­keit gegen­über den Mit­men­schen gelten. 

Eine ers­te Grund­hal­tung – Echt­heit. Der barm­her­zi­ge Sama­ri­ter hat alle Rüs­tun­gen der schö­nen Wor­te, Kon­ven­tio­nen und gesell­schaft­li­chen Vor­ur­tei­le abge­legt. Er hilft ohne gehei­me Hin­ter­ge­dan­ken, selbst­los und setzt sich sogar der Gefahr aus, sei­ner­seits unter die Räu­ber zu fal­len. Eine zwei­te Grund­hal­tung – Wert­schät­zung. Das Han­deln des Man­nes aus Sama­ri­en kenn­zeich­net ein spon­ta­nes Hin­zu­kom­men zum lei­den­den Ande­ren und doch zugleich eine unbe­ding­te Nähe und Treue zu die­sem Frem­den, eine unein­ge­schränk­te Wert­schät­zung des kon­kre­ten Gegen­übers, von des­sen mensch­li­cher Wür­de er über­zeugt ist. Eine drit­te und letz­te Grund­hal­tung – Empa­thie. Der barm­her­zi­ge Sama­ri­ter ver­fügt in beson­de­rer Wei­se über die Fähig­keit zum Mit­füh­len. Sol­che Empa­thie und Sen­si­bi­li­tät (…) wird genährt vom Wis­sen um die eige­nen Wun­den. Nur wer mit sei­ner Gebro­chen­heit und Gekränkt­heit in Kon­takt ist, sie nicht ver­drängt und ampu­tiert hat, kann wirk­lich mit­füh­len.“15 

IV. Unter­wegs als Pil­ger der Hoffnung“

Die Aktua­li­tät von Barm­her­zig­keit als Schlüs­sel­be­griff des christ­li­chen Glau­bens und über­haupt als Grund­ka­te­go­rie uni­ver­sa­ler Mensch­lich­keit steht außer Fra­ge. Wal­ter Kas­per hat daher Barm­her­zig­keit zurecht als ein grund­le­gen­des The­ma für das 21. Jahr­hun­dert“16 aus­ge­macht, in die­sem Zusam­men­hang aber auch nicht ver­schwie­gen, dass die Grö­ße Barm­her­zig­keit“ nach wie vor inner­halb und erst recht außer­halb von Theo­lo­gie und Kir­che mit eini­gen Vor­be­hal­ten und Miss­ver­ständ­nis­sen zu kämp­fen hat. Allein schon der Begriff klingt in den Ohren vie­ler sen­ti­men­tal, alt und ver­staubt; mit dem Hin­weis auf Barm­her­zig­keit ver­bin­den sich Asso­zia­tio­nen einer gewis­sen Her­ab­las­sung oder auch der Schwä­che. Bedenkt man jedoch, dass Barm­her­zig­keit sowohl nach christ­li­cher Auf­fas­sung als auch in einem all­ge­mein-mensch­li­chen Sinn eine Hal­tung beschreibt, wel­che den eige­nen Ego­is­mus bzw. die eige­ne Ich-Zen­triert­heit zu über­win­den ver­mag, wird deut­lich, wie wenig gera­de in die­ser Selbst­über­schrei­tung auf den ande­ren hin ein Zei­chen von Schwä­che, son­dern viel­mehr ein Zei­chen von Stär­ke und wah­rer inne­rer Frei­heit gege­ben ist.17 

Bischof Dr. Ste­fan Oster, dem die­ser Bei­trag zum beson­de­ren Stel­len­wert der Barm­her­zig­keit für eine mis­sio­na­ri­sche Kir­che anläss­lich sei­nes 60. Geburts­ta­ges gewid­met sein soll, hat in sei­nem Wir­ken als Theo­lo­ge und Seel­sor­ger immer wie­der akzen­tu­iert, dass der Mensch in einem tie­fen Sin­ne frei wird, wenn er sich ver­trau­ens­voll Gott, der Quel­le der Frei­heit, über­lässt und aus die­sem exis­ten­ti­el­len Akt des Glau­bens her­aus sich in die Begeg­nung mit dem Ande­ren ein­lässt, im Dienst am Reich Got­tes aus der Selbst­ver­haf­tung zur Hin­ga­be findet. 

Ganz auf die­ser Linie hat er in sei­nem Hir­ten­brief Wir alle – Pil­ger der Hoff­nung!“ zum Hei­li­gen Jahr 2025 dazu ein­ge­la­den, Jesus Chris­tus als dem Grund der Hoff­nung neu zu begeg­nen, sich von Got­tes barm­her­zi­ger Lie­be berüh­ren zu las­sen und gestärkt durch die­se Erfah­rung zu einem authen­ti­schen Zeu­gen der Barm­her­zig­keit Got­tes zu wer­den: Zeu­ge des Frie­dens, wo Unver­söhn­lich­keit herrscht; Zeu­ge geleb­ter Treue in der Ehe; Zeu­ge, der sich ein­setzt für Men­schen auf der Flucht oder für jun­ge suchen­de Men­schen; ein Zeu­ge, der für das unge­bo­re­ne Leben ein­tritt und für eine wür­de­vol­le Behand­lung der Alten bis zu deren letz­tem Atem­zug. Ein Zeu­ge, der mit sei­ner Barm­her­zig­keit bezeugt, dass Jesus bereit ist, jede Sün­de zu ver­ge­ben, wie groß sie auch sein mag.“18

Als Pil­ger der Hoff­nung“ und im Sin­ne einer mis­sio­na­ri­schen Kir­che unter­wegs zu sein, kann in der Tat nur bedeu­ten, die Ver­zweif­lung und Hoff­nungs­lo­sig­keit, das Unrecht und das Böse ein­zu­däm­men, soweit dies men­schen­mög­lich ist. Es gilt, in den ver­schie­de­nen Situa­tio­nen der leib­li­chen und geis­ti­gen Not, einen Hoff­nungs­strahl der Barm­her­zig­keit auf­leuch­ten zu las­sen, auch wenn dies nie in voll­ende­ter Form gesche­hen kann und daher mit Blick auf die nie ganz abzu­schaf­fen­de Unge­rech­tig­keit in die­ser Welt am Ende oft nur das Ver­trau­en in Got­tes Barm­her­zig­keit steht: Ange­sichts dro­hen­der Ver­zweif­lung oder kon­su­mis­ti­scher Ver­blö­dung bleibt letzt­lich nichts ande­res, als die Welt und das Leben im Licht der Hoff­nung auf voll­kom­me­ne Gerech­tig­keit und auf end­gül­ti­ge Ver­söh­nung zu sehen und dar­auf zu bestehen. Des­halb wird der Ruf Kyrie elei­son‘ in die­ser Welt nie zum Ver­stum­men zu brin­gen sein und immer wie­der neu laut wer­den. Dass die­ser Ruf auch öffent­lich laut wer­den kann und darf, gehört zum Mensch­heits­kul­tur­er­be; es gehört zu einer Kul­tur der Gerech­tig­keit und der Barm­her­zig­keit und zur Men­schen­freund­lich­keit einer wirk­lich frei­en Gesell­schaft.“19

1 Päpst­li­cher Rat zur För­de­rung der Neue­van­ge­li­sie­rung, Direk­to­ri­um für die Kate­che­se (Ver­laut­ba­run­gen des Apos­to­li­schen Stuhls; 224), hg. vom Sekre­ta­ri­at der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Bonn 2020, Nr. 51.

2 Tho­mas von Aquin, Sum­ma Theo­lo­giae I‑II q. 87 a. 4.

3 Paul Til­lich, Dyna­mik des Glau­bens (Dyna­mics of Faith). Neu über­setzt, ein­ge­lei­tet und mit einem Kom­men­tar ver­se­hen von Wer­ner Schüß­ler, Berlin/​Boston 202021.

4 Hen­ri J. M. Nou­ven, Nimm sein Bild in dein Herz. Geist­li­che Deu­tung eines Gemäl­des von Rem­brandt, Frei­burg-Basel-Wien 1991112f.

5 Vgl. Päpst­li­cher Rat zur För­de­rung der Neue­van­ge­li­sie­rung, Direk­to­ri­um für die Kate­che­se (Anm. 1), Nr. 51.

6 Ste­fan Oster, Die tie­fer ver­stan­de­ne Frei­heit. Zu Phä­no­me­no­lo­gie und Onto­lo­gie mensch­li­chen Per­son-seins im Anschluss an Digni­ta­tis hum­a­nae, in: Ders./Johannes Brantl (Hg.), Chris­tus ist unter euch. Zur Aktua­li­tät des II. Vati­ka­ni­schen Kon­zils (FS Bischof Rudolf Voder­hol­zer), Regens­burg 2024, 543 – 558, hier: 554f.

7 Roma­no Guar­di­ni, Die Annah­me sei­ner selbst (1960), Ost­fil­dern 102010.

8 Ebd., 20f.

9 Ebd., 21.

10 Eine kom­pak­te und gegen­warts­be­zo­ge­ne Dar­stel­lung bie­tet u.a.: Päpst­li­cher Rat zur För­de­rung der Neue­van­ge­li­sie­rung (Hg.), Geis­ti­ge und leib­li­che Wer­ke der Barm­her­zig­keit. Jubi­lä­um der Barm­her­zig­keit 2015 – 2016 (aus dem Spa­ni­schen von Moni­ka Otter­mann), Ost­fil­dern 2015.

11 Vgl. Papst Johan­nes Paul II., Enzy­kli­ka Dives in miser­i­cor­dia“ vom 30. Novem­ber 1980 über das gött­li­che Erbar­men (Ver­laut­ba­run­gen des Apos­to­li­schen Stuhls 26 – Kor­ri­gier­te Neu­auf­la­ge), hg. vom Sekre­ta­ri­at der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz, Bonn 2015, Nr. 14

12 Jochen Sau­ter­meis­ter, Das Gegen­teil von Barm­her­zig­keit. Ein theo­lo­gisch-ethi­scher Blick auf das Phä­no­men Skan­da­li­sie­rung, in: Her­der Kor­re­spon­denz 68 (2014), 187 – 192, hier: 191.

13 Das ent­spre­chen­de grie­chi­sche Verb εσπλαγχίσθη“ (Lk 10,33) wird in dem meis­ten deut­schen Über­set­zun­gen nur sehr blass mit er hat­te Mit­leid“ oder er emp­fand Erbar­men“ wie­der­ge­ge­ben. Tat­säch­lich bezeich­net es aber eine wirk­lich ein­schnei­den­de affek­ti­ve Regung, die wohl eher in der Wen­dung es traf ihn in sei­nen Ein­ge­wei­den“ aus­ge­drückt wer­den kann.

14 Vgl. Isi­dor Baum­gart­ner, Hei­len­de Seel­sor­ge in Lebens­kri­sen, Düs­sel­dorf 199251f.

15 Ebd., 52.

16 Wal­ter Kas­per, Barm­her­zig­keit. Grund­be­griff des Evan­ge­li­ums – Schlüs­sel christ­li­chen Lebens, Frei­burg i. Br.-Basel-Wien 201215.

17 Vgl. ebd., 29f.

18 Bischof Dr. Ste­fan Oster, Wir alle – Pil­ger der Hoff­nung! Hir­ten­brief zum Hei­li­gen Jahr 2025, hg. von der Diö­ze­se Pas­sau, Pas­sau 20245.

19 Wal­ter Kas­per, Barm­her­zig­keit (Anm. 16), 202.

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