Erfahrungsberichte

Der Gnadenort Altötting und die Neuevangelisierung im Bistum Passau

Redaktion am 03.06.2025

Warum Marienwallfahrtsorte die eigentlichen Hauptstädte der Welt sind. Ein Beitrag von Dr. Klaus Metzl, Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor von Altötting.

Am 10. April 2014 betrat der zum Bischof der Diö­ze­se Pas­sau ernann­te Sale­sia­ner­pa­ter Dr. Ste­fan Oster SDB aus Bene­dikt­beu­ern in Alt­öt­ting sein neu­es Bis­tum und mach­te auf sei­nem Weg der Gna­den­mut­ter in der Gna­den­ka­pel­le Unse­rer Lie­ben Frau von Alt­öt­ting sei­ne Auf­war­tung. Er bat sie um ihre Für­spra­che und ihren Schutz für sein kom­men­des Wir­ken als 85. Bischof von Pas­sau. Bei einer kur­zen Sta­tio vor der Gna­den­ka­pel­le, zu der hun­der­te Gläu­bi­ge gekom­men waren, drück­te er sei­ne Freu­de und sei­nen Respekt für das Kom­men­de aus. Zugleich kün­dig­te er an, die Men­schen, die nun sei­ner Hir­ten­sor­ge anver­traut wer­den, wie­der inten­si­ver mit Jesus in Berüh­rung brin­gen zu wol­len, so wie es Maria, die Mut­ter des Herrn, getan hat, damit sie IHN als den Freund ihres Lebens immer noch tie­fer ken­nen und lie­ben ler­nen. Damit kam zum Aus­druck, dass sich der künf­ti­ge Bischof von Pas­sau in sei­ner Hir­ten­sor­ge von Anfang an der Neue­van­ge­li­sie­rung ver­pflich­tet wuss­te und die­se ihm ein Her­zens­an­lie­gen ist.

Papst Johan­nes Paul II., der die Mari­en­wall­fahrts­or­te ein­mal als die eigent­li­chen Haupt­städ­te der Welt bezeich­ne­te, hat­te für das christ­li­che Abend­land bereits die Not­wen­dig­keit einer neu­en Evan­ge­li­sie­rung fest­ge­stellt, um den Glau­ben in der heu­ti­gen Welt neu zu ent­fa­chen und die Kir­che als leben­di­ge Gemein­schaft zu stär­ken. Papst Bene­dikt XVI. hat dies auf­ge­grif­fen und die Neue­van­ge­li­sie­rung als Auf­ga­be beschrie­ben, die vor allem die Kir­che in Euro­pa betref­fe, damit der Glau­ben wie­der neu die Her­zen der Men­schen errei­chen kön­ne. Und auch Papst Fran­zis­kus erkann­te in der Neue­van­ge­li­sie­rung eine Her­aus­for­de­rung für die Kir­che, um den Glau­ben in Län­dern zu erneu­ern, in denen er bereits bekannt sei, aber an Leben­dig­keit ver­lo­ren habe. Er lei­te­te das Evan­ge­li­sie­rungs-Dik­as­te­ri­um selbst, das wäh­rend sei­nes Pon­ti­fi­kats zu einem der wich­tigs­ten Zen­tral­be­hör­den im Vati­kan wur­de. So steht das pas­to­ra­le Wir­ken von Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB in Pas­sau von Anfang an in die­ser päpst­li­chen Hir­ten­sor­ge und Lehr­tra­di­ti­on. Dabei kommt den Wall­fahrts­or­ten als geist­li­chen Zen­tral­or­ten eine ganz beson­de­re Bedeu­tung zu, wes­we­gen die­se, wie in den Leit­li­ni­en der Diö­ze­se Pas­sau zur Bischöf­li­chen Visi­ta­ti­on – Mis­si­on und Auf­trag“ – for­mu­liert wur­de, beson­ders geför­dert wer­den sollen.

Die­ser Ansatz einer neu evan­ge­li­sie­ren­den Pas­to­ral wur­de von Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB auf der 5. deutsch­spra­chi­gen Wall­fahrts­rek­to­ren­kon­fe­renz, die vom 16. – 18. März 2022 in Alt­öt­ting unter dem Leit­wort: Wall­fahrts­or­te – Orte der Neue­van­ge­li­sie­rung!?“ statt­fand, noch ein­mal betont und her­aus­ge­ar­bei­tet: Weil Wall­fahrts­or­te aus einer leben­di­gen Ver­bin­dung von Tra­di­ti­on und Gegen­wart leben, sind sie idea­le Orte für die Erneue­rung des Glau­bens. Hier kön­nen Gläu­bi­ge durch gemein­schaft­li­ches Gebet, durch eine wür­di­ge Fei­er der Sakra­men­te und durch die Erfah­rung von Kir­che als leben­di­ger Gemein­schaft die Bot­schaft Jesu Chris­ti für sich sel­ber neu erle­ben und damit für ihre Schwes­tern und Brü­der frucht­bar wer­den lassen. 

Wohl die schöns­te Frucht die­ser Über­le­gun­gen ist der von Bischof Dr. Ste­fan Oster SDB am Gna­den­ort Alt­öt­ting initi­ier­te und mitt­ler­wei­le fest instal­lier­te Ado­ra­tio-Kon­gress, der im Jubel­jahr von Bischof Ste­fan bereits zum 5. Mal vom eben­falls von ihm errich­ten Refe­rat für Neue­van­ge­li­sie­rung in Pas­sau mit den Ver­ant­wort­li­chen der Wall­fahrts­lei­tung in Alt­öt­ting geplant und durch­ge­führt wird. Der Gna­den­ort Alt­öt­ting zieht dazu vie­le Gläu­bi­ge an, die auf ihrer je eige­nen Suche nach einer leben­di­gen Begeg­nung mit Jesus Chris­tus in Vor­trä­gen, Work­shops und Gesprächs­fo­ren geist­lich ange­regt wer­den und gleich­zei­tig bei der Fei­er von Got­tes­diens­ten und in Zei­ten der stil­len Anbe­tung sich der tie­fen Berüh­rung durch Chris­tus in beson­de­rer Wei­se öff­nen können.

Alt­öt­ting ist der größ­te Mari­en­wall­fahrts­ort im deutsch­spra­chi­gen Raum. Ihm kommt daher eine zen­tra­le Rol­le für die Neue­van­ge­li­sie­rung zu. Für die Zukunft der Kir­che – nicht nur in der Diö­ze­se Pas­sau – ist es daher wich­tig, die­se leben­di­ge Tra­di­ti­on wei­ter zu pfle­gen, sie zu för­dern und inno­va­ti­ve Wege zu fin­den, um Men­schen – vor allem auch jun­ge Men­schen – für den Glau­ben zu begeis­tern und so die spi­ri­tu­el­le Bedeu­tung des Wall­fahrts­or­tes als Zen­tral­ort der Glau­bens­ver­mitt­lung und der Glau­bens­er­fah­rung zu bewah­ren. Alt­öt­ting ist ein Mari­en­wall­fahrts­ort, an dem Men­schen spi­ri­tu­ell auf­tan­ken kön­nen und in der Betrach­tung des Lebens der Mut­ter Got­tes neue Impul­se für ihren Glau­bens­weg erhal­ten. Durch den Auf- und Aus­bau von geist­li­chen Ver­an­stal­tun­gen, von Foren und Tagun­gen kann Alt­öt­ting immer noch mehr zu einem Zen­trum der Glau­bens­er­neue­rung und der Neue­van­ge­li­sie­rung wer­den. Der alte geist­li­che Ort Alt­öt­ting trägt damit dazu bei, dass der Glau­be an Jesus Chris­tus in der heu­ti­gen, moder­nen Gesell­schaft rele­vant bleibt und die Men­schen auf ihrem Pil­ger­weg immer wie­der und immer noch mehr die Hoff­nung erle­ben, die uns – wie der Apos­tel Pau­lus schreibt – nicht zugrun­de gehen lässt.

Mit den bes­ten Segens­wün­schen zum 60. Geburts­tag aus dem Gna­den­ort Altötting

Dr. Klaus Metzl

Stadt­pfar­rer und Wallfahrtsrektor

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