Am 10. April 2014 betrat der zum Bischof der Diözese Passau ernannte Salesianerpater Dr. Stefan Oster SDB aus Benediktbeuern in Altötting sein neues Bistum und machte auf seinem Weg der Gnadenmutter in der Gnadenkapelle Unserer Lieben Frau von Altötting seine Aufwartung. Er bat sie um ihre Fürsprache und ihren Schutz für sein kommendes Wirken als 85. Bischof von Passau. Bei einer kurzen Statio vor der Gnadenkapelle, zu der hunderte Gläubige gekommen waren, drückte er seine Freude und seinen Respekt für das Kommende aus. Zugleich kündigte er an, die Menschen, die nun seiner Hirtensorge anvertraut werden, wieder intensiver mit Jesus in Berührung bringen zu wollen, so wie es Maria, die Mutter des Herrn, getan hat, damit sie IHN als den Freund ihres Lebens immer noch tiefer kennen und lieben lernen. Damit kam zum Ausdruck, dass sich der künftige Bischof von Passau in seiner Hirtensorge von Anfang an der Neuevangelisierung verpflichtet wusste und diese ihm ein Herzensanliegen ist.
Papst Johannes Paul II., der die Marienwallfahrtsorte einmal als die eigentlichen Hauptstädte der Welt bezeichnete, hatte für das christliche Abendland bereits die Notwendigkeit einer neuen Evangelisierung festgestellt, um den Glauben in der heutigen Welt neu zu entfachen und die Kirche als lebendige Gemeinschaft zu stärken. Papst Benedikt XVI. hat dies aufgegriffen und die Neuevangelisierung als Aufgabe beschrieben, die vor allem die Kirche in Europa betreffe, damit der Glauben wieder neu die Herzen der Menschen erreichen könne. Und auch Papst Franziskus erkannte in der Neuevangelisierung eine Herausforderung für die Kirche, um den Glauben in Ländern zu erneuern, in denen er bereits bekannt sei, aber an Lebendigkeit verloren habe. Er leitete das Evangelisierungs-Dikasterium selbst, das während seines Pontifikats zu einem der wichtigsten Zentralbehörden im Vatikan wurde. So steht das pastorale Wirken von Bischof Dr. Stefan Oster SDB in Passau von Anfang an in dieser päpstlichen Hirtensorge und Lehrtradition. Dabei kommt den Wallfahrtsorten als geistlichen Zentralorten eine ganz besondere Bedeutung zu, weswegen diese, wie in den Leitlinien der Diözese Passau zur Bischöflichen Visitation – „Mission und Auftrag“ – formuliert wurde, besonders gefördert werden sollen.
Dieser Ansatz einer neu evangelisierenden Pastoral wurde von Bischof Dr. Stefan Oster SDB auf der 5. deutschsprachigen Wallfahrtsrektorenkonferenz, die vom 16. – 18. März 2022 in Altötting unter dem Leitwort: „Wallfahrtsorte – Orte der Neuevangelisierung!?“ stattfand, noch einmal betont und herausgearbeitet: Weil Wallfahrtsorte aus einer lebendigen Verbindung von Tradition und Gegenwart leben, sind sie ideale Orte für die Erneuerung des Glaubens. Hier können Gläubige durch gemeinschaftliches Gebet, durch eine würdige Feier der Sakramente und durch die Erfahrung von Kirche als lebendiger Gemeinschaft die Botschaft Jesu Christi für sich selber neu erleben und damit für ihre Schwestern und Brüder fruchtbar werden lassen.
Wohl die schönste Frucht dieser Überlegungen ist der von Bischof Dr. Stefan Oster SDB am Gnadenort Altötting initiierte und mittlerweile fest installierte Adoratio-Kongress, der im Jubeljahr von Bischof Stefan bereits zum 5. Mal vom ebenfalls von ihm errichten Referat für Neuevangelisierung in Passau mit den Verantwortlichen der Wallfahrtsleitung in Altötting geplant und durchgeführt wird. Der Gnadenort Altötting zieht dazu viele Gläubige an, die auf ihrer je eigenen Suche nach einer lebendigen Begegnung mit Jesus Christus in Vorträgen, Workshops und Gesprächsforen geistlich angeregt werden und gleichzeitig bei der Feier von Gottesdiensten und in Zeiten der stillen Anbetung sich der tiefen Berührung durch Christus in besonderer Weise öffnen können.
Altötting ist der größte Marienwallfahrtsort im deutschsprachigen Raum. Ihm kommt daher eine zentrale Rolle für die Neuevangelisierung zu. Für die Zukunft der Kirche – nicht nur in der Diözese Passau – ist es daher wichtig, diese lebendige Tradition weiter zu pflegen, sie zu fördern und innovative Wege zu finden, um Menschen – vor allem auch junge Menschen – für den Glauben zu begeistern und so die spirituelle Bedeutung des Wallfahrtsortes als Zentralort der Glaubensvermittlung und der Glaubenserfahrung zu bewahren. Altötting ist ein Marienwallfahrtsort, an dem Menschen spirituell auftanken können und in der Betrachtung des Lebens der Mutter Gottes neue Impulse für ihren Glaubensweg erhalten. Durch den Auf- und Ausbau von geistlichen Veranstaltungen, von Foren und Tagungen kann Altötting immer noch mehr zu einem Zentrum der Glaubenserneuerung und der Neuevangelisierung werden. Der alte geistliche Ort Altötting trägt damit dazu bei, dass der Glaube an Jesus Christus in der heutigen, modernen Gesellschaft relevant bleibt und die Menschen auf ihrem Pilgerweg immer wieder und immer noch mehr die Hoffnung erleben, die uns – wie der Apostel Paulus schreibt – nicht zugrunde gehen lässt.
Mit den besten Segenswünschen zum 60. Geburtstag aus dem Gnadenort Altötting
Dr. Klaus Metzl
Stadtpfarrer und Wallfahrtsrektor



