Von seinen 60 Lebensjahren ist Bischof Dr. Stefan Oster elf Jahre als Bischof in Passau, ein gutes Stück seiner bisherigen Lebenszeit. Ich erlaube mir anlässlich des Festtages am 3. Juni 2025 einige Besonderheiten zu nennen, die mir in diesen elf Jahren aufgefallen sind.
Maria - Hilfe der Christen
Bischof Dr. Stefan Oster SDB ist auch in seinem Bischofsamt ein Ordensmann geblieben, das Kürzel SDB, Salesianer Don Boscos, zeigt es und auch in seinem Wappen stehen drei Bäume für den Wald, was das italienische Bosco bedeutet. Der Ordensgründer Don Bosco war ein großer Verehrer der Gottesmutter Maria als Hilfe der Christenheit. Der 24. Mai als Gedenktag dafür ist auch der Bischofsweihetag von Stefan Oster. Dass er als Bischof nach Passau gekommen sei, in die Stadt des Ursprungs der Maria-Hilf-Verehrung, hält er für keinen Zufall.
Die "Hermeneutik des Wohlwollens"
Bei allen Konflikten, an denen es in einem Bistum nicht mangelt, geht Bischof Stefan immer wohlwollend, wertschätzend mit seinem Gegenüber um, er blickt auf das Positive und bleibt Optimist.
Believe and Pray
Als das Domkapitel Stefan Oster vor seiner Weihe in Benediktbeuern besucht hat, ist mir ein Satz in Erinnerung geblieben. Ein junger Mann, der zum Gebetskreis von Pater Oster gehörte, schärfte uns ein: „Jetzt, wo wir nicht mehr mit ihm beten können, betet ihr mit ihm!“ Das Domkapitel zum Heiligen Stephanus in Passau ist eine der Gruppen, die regelmäßig mit Bischof Stefan beten und mit ihm die Heilige Eucharistie feiern. Aus dieser geistlichen Gemeinschaft heraus beraten wir ihn auch in der Leitung der Diözese.
Mission und Auftrag
Bischof Stefan hat einen pastoral-strukturellen Erneuerungsprozess angestoßen, welcher der Evangelisierung dienen soll. Mit vielen Gremien hat er um einen passenden Text gerungen, der schließlich unter der Überschrift Mission und Auftrag allen Gläubigen ans Herz gelegt wurde:
Jesus erneuert uns – und die Welt.
In der Kirche von Passau sind wir eine frohe, einladende und solidarische Glaubensgemeinschaft, die aus der Eucharistie lebt. Wir bekennen, dass uns in Jesus Christus allein Gottes Heil geschenkt ist und erkennen daher drei große Herausforderungen für heute und morgen:
Gott um seiner selbst willen zu lieben, Jüngerschaft zu leben und den missionarischen Einsatz zu praktizieren.
Home am Domplatz
Familie, so der Bischof, ist heutzutage nicht mehr automatisch der Ort, an dem das Glauben gelehrt und gelernt wird. Wohin sollen sich junge Leute wenden, die ihren Glauben vertiefen wollen? Bischof Stefan bietet ihnen – zusammen mit der österreichischen Loretto-Gemeinschaft – eine Jüngerschaftsschule an. Seit bald vier Jahren vertrauen sich bis zu 20 junge Leute dem Home am Domplatz an, um sich katechetisch, liturgisch und caritativ an Jesus zu orientieren. Die La Cantina, das Restaurant des Hauses, hat sich zu einem Anziehungspunkt vor allem für Ordinariatsangehörige entwickelt. Frühere Hemmschwellen und Vorurteile werden nach und nach abgebaut und das Home sorgt für neues, geistliches Leben am Domplatz.
Mensa Episcopi
Bischof Stefan hat einen Raum einrichten lassen, um Gruppen zum Essen einladen zu können. Regelmäßig trifft sich hier auch das Domkapitel, um nach den Pontifikalvespern im Dom zu den Hochfesten zusammen mit dem Bischof eine Agape zu halten. Diese Mahlgemeinschaft mit den unterschiedlichsten Gläubigen gehört für Bischof Stefan zu seinen Aufgaben als Hirte.
Osterwitz
Berühmt ist Bischof Stefan für seine Oster-Witze. Tausende, Hunderttausende, ja Millionen Zugriffe erreichen sie auf Youtube. Humor ist unserem Bischof gegeben und er schenkt ihn gerne weiter, vor allem als risus paschalis, als österliches Lachen am Ende der Ostergottesdienste. Die Reihe startete 2018 mit folgendem Witz:
„Der Religionslehrer ist ganz entsetzt, weil der Maxi, der Bub vom Huberbauern, nicht weiß, dass Jesus am Karfreitag gestorben ist. Er geht zum Rektor und erzählt ihm davon. Der Rektor sagt, er kenne den Huberbauern gut und werde ihn fragen, wieso das sein kann, dass sein Maxi nicht weiß, dass Jesus am Karfreitag gestorben ist. Also geht der Rektor zum Huberbauern auf den Hof und fragt ihn. Dieser antwortet: „Weißt, Direktor, wir hier aufm Hof haben kein Radio, keinen Fernseher und erst recht kein Internet. Wir haben nicht einmal gewusst, dass er so schwer krank ist.“
Lieber Bischof Stefan,
zum runden Geburtstag wünsche ich Ihnen alles Gute, Gottes reichen Segen und noch viele fruchtbare Jahre im Bistum Passau. Vergelt’s Gott für Ihren Seeleneifer, für all die Früchte, die Sie uns bislang geschenkt haben.
Ihr Dompropst
Dr. Michael Bär



