Erfahrungsberichte

Missionarische Impulse und Weltsynode

Redaktion am 03.06.2025

Info Icon Bild: Matthias Kopp

Notizen aus einer römischen WG. Von Matthias Kopp.

Wie kön­nen wir das Evan­ge­li­um heu­te ver­ständ­lich und mis­sio­na­risch ver­kün­di­gen?“ Die­se Fra­ge stellt Bischof Ste­fan Oster oft, vor allem wäh­rend der bei­den jeweils vier Wochen dau­ern­den Sit­zungs­pe­ri­oden der Welt­syn­ode im Okto­ber 2023 und im Okto­ber 2024. Eine mis­sio­na­ri­sche Kir­che, also eine Kir­che in der Sen­dung Jesu Chris­ti, ist für ihn in einer säku­la­ri­sier­ten Welt eine Her­aus­for­de­rung – und zugleich eine Chan­ce. Das kann nach sei­ner Auf­fas­sung gelin­gen, wenn die Kir­che – ganz im Sin­ne des ver­stor­be­nen Paps­tes Fran­zis­kus – nahe bei den Men­schen ist.

Die­se Gedan­ken hat Bischof Oster in unse­rer Syn­oden-WG in Rom bei man­chen Mor­gen­mes­sen in der Haus­ka­pel­le ent­fal­tet. Mal ori­en­tier­te er sich am Evan­ge­li­um, mal am Text des Tages­ge­bets – und immer war die lei­ten­de Fra­ge für ihn: Wo kön­nen wir Gott in der Öffent­lich­keit bezeu­gen? Es ist sein Mar­ken­kern, genau die­sen Auf­trag umzu­set­zen: ganz ein­fach von Gott zu sprechen.

Das haben wir in der WG wäh­rend der bei­den Syn­oden oft gemacht. Wäh­rend beim Früh­stück eher die Gesamt­la­ge der Kir­che und des syn­oda­len Gesche­hens in Rom ana­ly­siert wur­de, war es beim Mit­tag­essen die Refle­xi­on zu dem vie­len in der Syn­ode­n­au­la Gehör­ten. Und abends, um 21.30 Uhr, traf sich unse­re WG zur Erd­nuss­run­de“, bei der wir oft den Tag haben Revue pas­sie­ren las­sen. Wer da war, war da, kei­ne Ver­pflich­tung, kei­ne Tages­ord­nung. Es wur­de ernst­haft dis­ku­tiert und kon­struk­tiv mit­ein­an­der um Posi­tio­nen und Per­spek­ti­ven gerungen.

Die WG, das waren neben Bischof Oster unter ande­rem auch die Bischö­fe Georg Bät­zing, Franz-Josef Over­beck, Felix Genn, Pro­fes­sor Tho­mas Söding und ich. Wir waren alle an der Syn­ode betei­ligt – als bischöf­li­che Mit­glie­der, als theo­lo­gi­scher Exper­te, als Kom­mu­ni­ka­tor. Und das war das Bele­ben­de bei aller Unter­schied­lich­keit von Per­so­nen und Posi­tio­nen: auf dem glei­chen Wis­sens- und Erleb­nis­stand der Syn­ode konn­ten wir so gut mit­ein­an­der reden, Brü­cken bau­en und eben über theo­lo­gi­sche Posi­tio­nen dis­ku­tie­ren, die auf je eige­nen Wegen an ver­schie­de­nen Stel­len Ein­gang in das Abschluss­do­ku­ment der Welt­syn­ode gefun­den haben.

Bei all dem ist es Bischof Oster gelun­gen, eine Kom­mu­ni­ka­ti­on in die Außen­welt auf­recht­zu­er­hal­ten. Sein Video­ta­ge­buch, Ein­trä­ge in den sozia­len Medi­en und bild­li­che Ein­drü­cke lie­ßen Außen­ste­hen­de, vor allem aber an der Syn­ode Inter­es­sier­te, das Gesche­hen mitvollziehen.

Die Syn­oden-WG in Rom war ein schö­nes Bei­spiel von com­mu­nio. Ob es der oft gemein­sa­me Gang vom Haus zur Syn­ode­n­au­la war, ob es man­ches schö­ne römi­sche Abend­essen in der deut­schen Bot­schaft oder einem guten Lokal war, oder nur die Piz­za-auf-der-Hand bei unse­ren Tref­fen mit Jugend­li­chen aus Deutsch­land, Öster­reich, der Schweiz und Süd­ti­rol. Und wir haben in der WG viel gelacht, trotz aller not­wen­di­gen und selbst­ver­ständ­li­chen Ernst­haf­tig­keit der The­men. Das beson­ders Ein­drucks­vol­le: Trotz aller Här­ten in man­cher theo­lo­gi­schen Debat­te, die wir in Deutsch­land füh­ren, waren die Syn­oden­wo­chen in bei­den Jah­ren star­ke Momen­te des Ein­an­der-Zuhö­rens, der inne­ren Refle­xi­on und des Abwä­gens der Argu­men­te des Gegen­übers. Die Metho­de der Kon­ver­sa­ti­on im Hei­li­gen Geist, die das Sekre­ta­ri­at der Welt­syn­ode ins Leben geru­fen hat, war irgend­wie über die Wochen auf uns über­ge­gan­gen. Zuhö­ren, die Din­ge sich set­zen las­sen, Argu­men­te fin­den und aus­tau­schen, klar in der Sache, ver­bind­lich im Ton.

So war die Welt­syn­ode, an der Bischof Ste­fan Oster in so inten­si­ver Wei­se teil­neh­men konn­te, vor allem auch ein Ort der Begeg­nung und des Dia­logs. Das ist es, was wir als Kir­che brau­chen: mit­ein­an­der reden und sta­bi­le Brü­cken des Mit­ein­an­ders bau­en. Wäh­rend in der Syn­ode­n­au­la vie­le Wort­bei­trä­ge zu hören waren, sind es vor allem die Kaf­fee­pau­sen gewe­sen, in denen Fäden geknüpft und Bekannt­schaf­ten ver­tieft wur­den. Schon beim Zwei­ten Vati­ka­ni­schen Kon­zil war die im Peters­dom ein­ge­rich­te­te Bar Jona“ der zen­tra­le Treff­punkt, ja der Dreh- und Angel­punkt für Ent­schei­dun­gen. Das war auf der Welt­syn­ode nicht anders, dort wur­de beim Kaf­fee über For­mu­lie­run­gen dis­ku­tiert, theo­lo­gi­sche Aspek­te erör­tert und nicht sel­ten aus den je eige­nen Erfah­run­gen der Orts­kir­chen erzählt. Die Erd­nuss­run­de unse­rer WG und die Kaf­fee­pau­sen der Syn­ode las­sen sich so – neben vie­len ande­ren Mög­lich­kei­ten – als zen­tra­le Orte von Begeg­nung und Refle­xi­on cha­rak­te­ri­sie­ren, und zwar in ihrem jewei­li­gen Kontext.

Noch ein Wort zum Jubi­lar: Nicht sel­ten frag­ten mich Bischö­fe aus der gan­zen Welt und auch Lai­en und Ordens­leu­te wäh­rend der Syn­ode: Aber die­ser Bischof Oster, der ist ja noch so jung.“ Das habe ich selbst­ver­ständ­lich bestä­tigt, mit der exak­ten Alters­an­ga­be, was nicht sel­ten zum Schmun­zeln jener führ­te, die die Bemer­kung gemacht hat­ten. In die­sem Sin­ne sei dem ves­co­vo più gio­va­ne“ herz­lich zum 60. Geburts­tag gra­tu­liert. Möge er vie­le wei­te­re glück­li­che Jahr­zehn­te vor sich haben und dar­in sei­ne Visi­on erfül­len kön­nen, Gott den Men­schen näher­zu­brin­gen, von Gott in der Öffent­lich­keit zu spre­chen und Gott als das Fun­da­ment all unse­res Tuns zu ver­kün­den. Die Welt­syn­ode in Rom, die ich mit die­sen Zei­len in ihrer facet­ten­rei­chen Dimen­si­on zumin­dest in eini­gen Noti­zen in Erin­ne­rung rufen woll­te, war prä­gend für den Jubi­lar. Sie ist für Bischof Oster ein Teil der Lebens­er­fah­rung in 60 Jah­ren, bei der er wie­der gespürt hat: Wir müs­sen von Gott sprechen.

Dr. Mat­thi­as Kopp, seit 2009 Spre­cher der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz und Lei­ter der Pres­se­stel­le und Öffent­lich­keits­ar­beit der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz; Teil­neh­mer der Welt­syn­ode 2023 und 2024 für den Bereich Kom­mu­ni­ka­ti­on; seit Dezem­ber 2024 Kon­sul­tor des vati­ka­ni­schen Dik­as­te­ri­ums für die Kommunikation.

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