„Wie können wir das Evangelium heute verständlich und missionarisch verkündigen?“ Diese Frage stellt Bischof Stefan Oster oft, vor allem während der beiden jeweils vier Wochen dauernden Sitzungsperioden der Weltsynode im Oktober 2023 und im Oktober 2024. Eine missionarische Kirche, also eine Kirche in der Sendung Jesu Christi, ist für ihn in einer säkularisierten Welt eine Herausforderung – und zugleich eine Chance. Das kann nach seiner Auffassung gelingen, wenn die Kirche – ganz im Sinne des verstorbenen Papstes Franziskus – nahe bei den Menschen ist.
Diese Gedanken hat Bischof Oster in unserer Synoden-WG in Rom bei manchen Morgenmessen in der Hauskapelle entfaltet. Mal orientierte er sich am Evangelium, mal am Text des Tagesgebets – und immer war die leitende Frage für ihn: Wo können wir Gott in der Öffentlichkeit bezeugen? Es ist sein Markenkern, genau diesen Auftrag umzusetzen: ganz einfach von Gott zu sprechen.
Das haben wir in der WG während der beiden Synoden oft gemacht. Während beim Frühstück eher die Gesamtlage der Kirche und des synodalen Geschehens in Rom analysiert wurde, war es beim Mittagessen die Reflexion zu dem vielen in der Synodenaula Gehörten. Und abends, um 21.30 Uhr, traf sich unsere WG zur „Erdnussrunde“, bei der wir oft den Tag haben Revue passieren lassen. Wer da war, war da, keine Verpflichtung, keine Tagesordnung. Es wurde ernsthaft diskutiert und konstruktiv miteinander um Positionen und Perspektiven gerungen.
Die WG, das waren neben Bischof Oster unter anderem auch die Bischöfe Georg Bätzing, Franz-Josef Overbeck, Felix Genn, Professor Thomas Söding und ich. Wir waren alle an der Synode beteiligt – als bischöfliche Mitglieder, als theologischer Experte, als Kommunikator. Und das war das Belebende bei aller Unterschiedlichkeit von Personen und Positionen: auf dem gleichen Wissens- und Erlebnisstand der Synode konnten wir so gut miteinander reden, Brücken bauen und eben über theologische Positionen diskutieren, die auf je eigenen Wegen an verschiedenen Stellen Eingang in das Abschlussdokument der Weltsynode gefunden haben.
Bei all dem ist es Bischof Oster gelungen, eine Kommunikation in die Außenwelt aufrechtzuerhalten. Sein Videotagebuch, Einträge in den sozialen Medien und bildliche Eindrücke ließen Außenstehende, vor allem aber an der Synode Interessierte, das Geschehen mitvollziehen.
Die Synoden-WG in Rom war ein schönes Beispiel von communio. Ob es der oft gemeinsame Gang vom Haus zur Synodenaula war, ob es manches schöne römische Abendessen in der deutschen Botschaft oder einem guten Lokal war, oder nur die Pizza-auf-der-Hand bei unseren Treffen mit Jugendlichen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol. Und wir haben in der WG viel gelacht, trotz aller notwendigen und selbstverständlichen Ernsthaftigkeit der Themen. Das besonders Eindrucksvolle: Trotz aller Härten in mancher theologischen Debatte, die wir in Deutschland führen, waren die Synodenwochen in beiden Jahren starke Momente des Einander-Zuhörens, der inneren Reflexion und des Abwägens der Argumente des Gegenübers. Die Methode der Konversation im Heiligen Geist, die das Sekretariat der Weltsynode ins Leben gerufen hat, war irgendwie über die Wochen auf uns übergegangen. Zuhören, die Dinge sich setzen lassen, Argumente finden und austauschen, klar in der Sache, verbindlich im Ton.
So war die Weltsynode, an der Bischof Stefan Oster in so intensiver Weise teilnehmen konnte, vor allem auch ein Ort der Begegnung und des Dialogs. Das ist es, was wir als Kirche brauchen: miteinander reden und stabile Brücken des Miteinanders bauen. Während in der Synodenaula viele Wortbeiträge zu hören waren, sind es vor allem die Kaffeepausen gewesen, in denen Fäden geknüpft und Bekanntschaften vertieft wurden. Schon beim Zweiten Vatikanischen Konzil war die im Petersdom eingerichtete „Bar Jona“ der zentrale Treffpunkt, ja der Dreh- und Angelpunkt für Entscheidungen. Das war auf der Weltsynode nicht anders, dort wurde beim Kaffee über Formulierungen diskutiert, theologische Aspekte erörtert und nicht selten aus den je eigenen Erfahrungen der Ortskirchen erzählt. Die Erdnussrunde unserer WG und die Kaffeepausen der Synode lassen sich so – neben vielen anderen Möglichkeiten – als zentrale Orte von Begegnung und Reflexion charakterisieren, und zwar in ihrem jeweiligen Kontext.
Noch ein Wort zum Jubilar: Nicht selten fragten mich Bischöfe aus der ganzen Welt und auch Laien und Ordensleute während der Synode: „Aber dieser Bischof Oster, der ist ja noch so jung.“ Das habe ich selbstverständlich bestätigt, mit der exakten Altersangabe, was nicht selten zum Schmunzeln jener führte, die die Bemerkung gemacht hatten. In diesem Sinne sei dem „vescovo più giovane“ herzlich zum 60. Geburtstag gratuliert. Möge er viele weitere glückliche Jahrzehnte vor sich haben und darin seine Vision erfüllen können, Gott den Menschen näherzubringen, von Gott in der Öffentlichkeit zu sprechen und Gott als das Fundament all unseres Tuns zu verkünden. Die Weltsynode in Rom, die ich mit diesen Zeilen in ihrer facettenreichen Dimension zumindest in einigen Notizen in Erinnerung rufen wollte, war prägend für den Jubilar. Sie ist für Bischof Oster ein Teil der Lebenserfahrung in 60 Jahren, bei der er wieder gespürt hat: Wir müssen von Gott sprechen.
Dr. Matthias Kopp, seit 2009 Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz und Leiter der Pressestelle und Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Bischofskonferenz; Teilnehmer der Weltsynode 2023 und 2024 für den Bereich Kommunikation; seit Dezember 2024 Konsultor des vatikanischen Dikasteriums für die Kommunikation.



