Rom im Oktober – viel besser kann die Jahreszeit für die Weltsynode nicht gewählt sein. 2023 und 2024 waren wir Teil einer privilegierten WG, im Mater Dei, dem (früheren) Gästehaus der Deutschen Bischofskonferenz – Stefan Oster als von Papst Franziskus zusätzlich berufener Bischof aus Deutschland, der offenbar das synodale Gleichgewicht ein wenig ausbalancieren, ich als theologischer Experte, der das Team des Synodensekretariates unterstützen sollte.
Das Mater Dei liegt am Gianicolo, dem Vatikan benachbart. Die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl liegt am nördlichen Ende der Villa Borghese. Der Botschafter, Bernhard Kotsch, lässt es sich nicht nehmen, die deutsche Delegation einzuladen – einmal privat, einmal mit Journalisten. 1 h 4 min gibt Google Maps für den Fußweg an – und als ich nach dem privaten Abendessen die episkopalen Gäste musterte, war mir klar, dass auf meine Frage, wer mit zu Fuß zurück in Mater Dei kommt, nur einer positiv antworten würde: der deutsche Sportbischof. Durch die Villa Borghese soll man nachts nicht unbedingt gehen. Also ging es die Viale delle Belle Arte am Palast der schönen Künste entlang und über die Viale Giorgio Washington zur Piazza del Popolo und weiter über die Via de Ripetta mitten ins historische Zentrum. Die Piazza Navona haben wir uns noch gegönnt, dann ging es aufs andere Tiber-Ufer mit dem Petersdom-Blick auf der Via della Conciliazione und links an den Kolonnaden vorbei durch die Unterführung hindurch halb den Gianicolo hinauf.
Der Abend war mild. Die Straßen waren nicht mehr überfüllt. In einer guten Stunde, beim Gehen, lässt sich viel besprechen. Beide wollten wir das. Stefan Oster habe ich als Kollegen gekannt; ich hatte von ihm als digitalaffinen Bischof von Passau gehört. Ich habe ihn für einen Konservativen gehalten, der nicht nur freundlich sein kann, sondern auch etwas zu sagen hat. Auf dem Synodalen Weg der Katholischen Kirche in Deutschland sind wir uns häufiger begegnet – allerdings in unterschiedlichen Rollen: er als Bischof, ich als Theologe und ZdK-Mitglied; er als Mitglied im Forum 4, das sich der Sexualität widmet, ich als Mitglied im Forum 1, das „Macht und Gewaltenteilung“ bearbeitet, er als Delegierter, ich seit 2021 als Vizepräsident, also auch mit Leitungsverantwortung. Vor allem: Stefan Oster als Vertreter der Minderheit, ich der Mehrheit (auch der Bischöfe).
Es gab also viel zu besprechen. Und ich habe viel gelernt. Darüber, wie wichtig Stefan Oster die Anthropologie einschließlich der Geschlechtlichkeit ist – und warum. Wo er Reformansätze für mehr Transparenz sieht – und wo Grenzen. Wo er die Zukunft der Kirche sieht – und wo die Vergangenheit. Auch ich habe aus meinem Herzen keine Mördergrube gemacht.
Hat das nächtliche Weggespräch etwas gebracht? Vom „Herr Bischof“ und „Herr Professor“ sind wir zu „Stefan“ und „Thomas“ übergegangen. Unsere Positionen, was eine synodale Kirche ist und braucht, haben wir nicht grundlegend verändert. Gut war der gemeinsame Weg dennoch. Er geht weiter.



