Erfahrungsberichte

Römischer Weg

Redaktion am 03.06.2025

Info Icon M. Kopp

Ein synodaler Fußmarsch durch die Nacht: Prof. Dr. Thomas Söding erinnert sich an ein Erlebnis mit Bischof Stefan Oster während der Weltsynode im Oktober 2024 in Rom.

Rom im Okto­ber – viel bes­ser kann die Jah­res­zeit für die Welt­syn­ode nicht gewählt sein. 2023 und 2024 waren wir Teil einer pri­vi­le­gier­ten WG, im Mater Dei, dem (frü­he­ren) Gäs­te­haus der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz – Ste­fan Oster als von Papst Fran­zis­kus zusätz­lich beru­fe­ner Bischof aus Deutsch­land, der offen­bar das syn­oda­le Gleich­ge­wicht ein wenig aus­ba­lan­cie­ren, ich als theo­lo­gi­scher Exper­te, der das Team des Syn­oden­se­kre­ta­ria­tes unter­stüt­zen sollte.

Das Mater Dei liegt am Gia­ni­co­lo, dem Vati­kan benach­bart. Die Deut­sche Bot­schaft beim Hei­li­gen Stuhl liegt am nörd­li­chen Ende der Vil­la Borg­he­se. Der Bot­schaf­ter, Bern­hard Kot­sch, lässt es sich nicht neh­men, die deut­sche Dele­ga­ti­on ein­zu­la­den – ein­mal pri­vat, ein­mal mit Jour­na­lis­ten. 1 h 4 min gibt Goog­le Maps für den Fuß­weg an – und als ich nach dem pri­va­ten Abend­essen die epi­skopa­len Gäs­te mus­ter­te, war mir klar, dass auf mei­ne Fra­ge, wer mit zu Fuß zurück in Mater Dei kommt, nur einer posi­tiv ant­wor­ten wür­de: der deut­sche Sport­bi­schof. Durch die Vil­la Borg­he­se soll man nachts nicht unbe­dingt gehen. Also ging es die Via­le del­le Bel­le Arte am Palast der schö­nen Küns­te ent­lang und über die Via­le Gior­gio Washing­ton zur Piaz­za del Popo­lo und wei­ter über die Via de Ripet­ta mit­ten ins his­to­ri­sche Zen­trum. Die Piaz­za Navo­na haben wir uns noch gegönnt, dann ging es aufs ande­re Tiber-Ufer mit dem Peters­dom-Blick auf der Via del­la Con­ci­lia­zio­ne und links an den Kolon­na­den vor­bei durch die Unter­füh­rung hin­durch halb den Gia­ni­co­lo hinauf.

Der Abend war mild. Die Stra­ßen waren nicht mehr über­füllt. In einer guten Stun­de, beim Gehen, lässt sich viel bespre­chen. Bei­de woll­ten wir das. Ste­fan Oster habe ich als Kol­le­gen gekannt; ich hat­te von ihm als digi­tal­af­fi­nen Bischof von Pas­sau gehört. Ich habe ihn für einen Kon­ser­va­ti­ven gehal­ten, der nicht nur freund­lich sein kann, son­dern auch etwas zu sagen hat. Auf dem Syn­oda­len Weg der Katho­li­schen Kir­che in Deutsch­land sind wir uns häu­fi­ger begeg­net – aller­dings in unter­schied­li­chen Rol­len: er als Bischof, ich als Theo­lo­ge und ZdK-Mit­glied; er als Mit­glied im Forum 4, das sich der Sexua­li­tät wid­met, ich als Mit­glied im Forum 1, das Macht und Gewal­ten­tei­lung“ bear­bei­tet, er als Dele­gier­ter, ich seit 2021 als Vize­prä­si­dent, also auch mit Lei­tungs­ver­ant­wor­tung. Vor allem: Ste­fan Oster als Ver­tre­ter der Min­der­heit, ich der Mehr­heit (auch der Bischöfe).

Es gab also viel zu bespre­chen. Und ich habe viel gelernt. Dar­über, wie wich­tig Ste­fan Oster die Anthro­po­lo­gie ein­schließ­lich der Geschlecht­lich­keit ist – und war­um. Wo er Reform­an­sät­ze für mehr Trans­pa­renz sieht – und wo Gren­zen. Wo er die Zukunft der Kir­che sieht – und wo die Ver­gan­gen­heit. Auch ich habe aus mei­nem Her­zen kei­ne Mör­der­gru­be gemacht.

Hat das nächt­li­che Weg­ge­spräch etwas gebracht? Vom Herr Bischof“ und Herr Pro­fes­sor“ sind wir zu Ste­fan“ und Tho­mas“ über­ge­gan­gen. Unse­re Posi­tio­nen, was eine syn­oda­le Kir­che ist und braucht, haben wir nicht grund­le­gend ver­än­dert. Gut war der gemein­sa­me Weg den­noch. Er geht weiter.

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