Erfahrungsberichte

Schiff ahoi, Kapitän!

Redaktion am 03.06.2025

Ein Geburtstagsbrief von Peter Seewald an Bischof Stefan Oster.

Sehr geehr­ter Herr Bischof, lie­ber Stefan,

bei unse­rer ers­ten Begeg­nung vor nun über zwan­zig Jah­ren ging es um einen Witz. Viel­leicht erin­nerst Du Dich. Ich hat­te einen Bei­trag für das SZ-Maga­zin mit dem Titel Sie­ben Tage Wahn­sinn“ geschrie­ben. Es war das Wochen-Pro­to­koll über die täg­li­chen Ver­rückt­hei­ten des moder­nen Lebens. In der Geschich­te kam auch der hei­li­ge Tho­mas Morus vor. Ich zitier­te ihn mit dem Gebet: Herr, schen­ke mir einen Witz. Aber gibt mir auch die Gna­de, ihn zu ver­ste­hen“. Du hast mich als Don-Bosco-Pater umge­hend ange­ru­fen, offen­bar ver­blüfft, dass da aus­ge­rech­net im SZ-Maga­zin ein katho­li­scher Mär­ty­rer zitiert wird. Kurz und gut: Am Ende des Tref­fens hat­te ich einen Job im Bei­rat des Don-Bosco-Stif­tungs­zen­trum am Hals.

Karl Valen­tin soll ein­mal gesagt haben, Vor­her­sa­gen sei­en irgend­wie schwie­rig. Denn sie beträ­fen ja die Zukunft. In Dei­nem Fall konn­te die Pro­gno­se nur hei­ßen, dass da eine glän­zen­de Zukunft auf Dich war­tet. Glän­zend in dem Sin­ne, dass der lie­be Gott Dich wie von der Stra­ße weg am Kra­wattl gepackt hat­te, weil er sicher war: Mit dem kann ich was anfan­gen. Was für ein Weg: Radio­mo­de­ra­tor in einer fes­ten Bezie­hung, Sale­sia­ner-Pater, Dok­tor der Phi­lo­so­phie, Pro­fes­sor für Dog­ma­tik und Dog­men­ge­schich­te, 85. Bischof von Passau. 

Schon mit dem Tag Dei­ner Bischofs­wei­he im Hohen Dom zu Pas­sau wur­de deut­lich: Da ist ein Typ von Hir­te, den man so in Deutsch­land nicht kann­te. Einer, der beim Ein­zug in das Got­tes­haus unter dem fre­ne­ti­schen Bei­fall der Gläu­bi­gen das Vic­to­ry-Zei­chen macht. Der in einer WG lebt und Roch­mu­sik hört. Der die Leu­te zum Zuhö­ren und nicht zum Weg­hö­ren bringt, zum Lachen und nicht zum Wei­nen. Der ihnen auch ein­mal die Levi­ten liest und nicht kneift, vor lau­ter Angst, man könn­te die lie­ben Schäf­chen mit kla­ren Wor­ten und mit der Fra­ge, war­um man sie so sel­ten im Got­tes­dienst sieht, glatt verstören.

Muss­te nicht jeder­mann den Ein­druck haben, in die­sem Mann ver­ei­nen sich auf wun­der­ba­re Wei­se Herz und Ver­stand mit Fröh­lich­keit und guter Lau­ne? Unkon­ven­tio­nell, zupa­ckend, begeis­ternd und auf Men­schen zuge­hend, wür­de er auch jeden Mara­thon gewin­nen, in dem es dar­um geht, in unun­ter­bro­che­nem Reden und Prei­sen Per­son und Bot­schaft Jesu‘ zu ver­kün­den. Und das Gan­ze oft wie ein Vul­kan, der Fun­ken sprüht, und aus dem es her­aus­fließt wie Lava.

Und noch etwas. Bestimmt habe nicht nur ich den Ein­druck, da ist ein Bischof, der offen­bar Tag und Nacht unter­wegs ist. Er hält Got­tes­diens­te, macht Besu­che in Senio­ren­hei­men, visi­tert Pfar­rei­en, nimmt an Kon­gres­sen Teil, initi­iert Ein­rich­tun­gen wie das Gebets­haus am Dom und das Glau­bens­tref­fen Ado­ra­tio“ in Alt­öt­ting. Nachts beant­wor­tet er dann E‑Mails, schreibt an sei­nem Blog, denkt über die Neue­van­ge­li­sie­rung nach – und sieht am Mor­gen auch ohne Schlaf bes­ser aus als jeder Hol­ly­wood-Star. Ich weiß nicht, wie Du das machst, aber es ver­mit­telt den Ein­druck: ja, Glau­be ist anspruchs­voll, Glau­be schenkt Freu­de, Glau­be macht Sinn.

Zu Dei­nem 60. Geburts­tag möch­te ich Dir herz­lich dan­ken. Für die immer anre­gen­den Begeg­nun­gen. Für unser Buch Gott ohne Volk?“ aus dem Jahr 2016. Ganz beson­ders auch dafür, dass Du mich und mei­ne lie­be Frau anläss­lich unse­res 25-jäh­ri­gen Ehe­ju­bi­lä­ums auf Maria­hilf in Pas­sau kirch­lich getraut hast. Es war Dein aller­ers­ter Got­tes­dienst in mei­ner gelieb­ten Hei­mat­stadt. Und offen­bar ein gutes Omen.

Unver­gess­lich auch unser Besuch beim eme­ri­tier­ten Papst Bene­dikt in den Vati­ka­ni­schen Gär­ten, als wir ihm den wun­der­schö­nen Bild­band über ihn über­reich­ten, der mit Dei­ner Unter­stüt­zung gedruckt wer­den konn­te. Der Eme­ri­tus hat­te von einem Sturz ein blau­es Auge und hing recht ermat­tet in sei­nem Lehn­stuhl. Auf den Fotos aber, die Du qua­si in Echt­zeit ins Netz stell­test, sah es ein wenig so aus, als hät­te er sich mit uns gera­de eine Schlä­ge­rei geliefert. 

Als Katho­lik dan­ke ich ins­be­son­de­re für die Unbe­irr­bar­keit in der Ver­kün­dung des Evan­ge­li­ums gemäß dem Cre­do der Kir­che. Dazu gehört, stand­haft zu blei­ben und den Mut zu haben, auch ein­mal anders zu den­ken, als man“ zu den­ken hat. Wie sag­te Bene­dikt XVI., der größ­te Sohn des Bis­tums Pas­sau? Erwach­sen ist nicht ein Glau­be, der den Wel­len der Mode und der letz­ten Neu­heit folgt. Erwach­sen und reif ist ein Glau­be, der tief in der Freund­schaft mit Chris­tus ver­wur­zelt ist. Die­se Freund­schaft macht uns offen gegen­über allem, was gut ist und uns das Kri­te­ri­um an die Hand gibt, um zwi­schen wahr und falsch, zwi­schen Trug und Wahr­heit zu unter­schei­den. Die­sen erwach­se­nen Glau­ben müs­sen wir rei­fen las­sen, zu die­sem Glau­ben müs­sen wir die Her­de Chris­ti führen.“

Schiff ahoi, Kapi­tän. Und wei­ter­hin gute Fahrt!

Got­tes Segen und herz­li­che Grüße

Dein Peter Seewald

Weitere Nachrichten

Aus der Wissenschaft
03.06.2025

Das Wesen der Kirche ist Mission

Warum Mission eine innere Konsequenz des Glaubens ist. Ein Beitrag von Kurt Kardinal Koch, habilitierter…

Erfahrungsberichte
03.06.2025

Fromme Wünsche

Ein Beitrag von Michael Kumpfmüller.

Aus der Wissenschaft
03.06.2025

„Ihr seid das Salz der Erde“

Gottes Gegenwart im Dienst der Kirche. Ein Beitrag von Christoph Raedel, Professor für Systematische…

Erfahrungsberichte
03.06.2025

Wo Glaube lebt: Kirche und Familie

Daniela Riel ist eine junge Mutter, die ihren Kindern den Glauben an Gott vermitteln will. Hier berichtet sie…