Erfahrungsberichte

Interview: Seelen-Sorgerin sein

Redaktion am 03.06.2025

Info Icon Bild: Thomas Weggartner

Warum ich in der Kirche arbeite: Ein Gespräch mit  Gertraud Dickgießer, Gemeindereferentin im Pfarrverband Eichendorf.

Ger­traud, was hat Dich damals vor Jah­ren bewo­gen, einen kirch­li­chen Beruf zu ergreifen?

In der Kir­che behei­ma­tet gefühlt habe ich mich von Kind­heit an. Immer schon habe ich eine enge Bezie­hung zu Gott gespürt und Freu­de dar­an gehabt, mit den unter­schied­lichs­ten Men­schen zusam­men zu sein. Ich hat­te damals das Gefühl, dass Gott die­sen Weg für mich aus­ge­sucht hat. Und auch heu­te fühlt es sich noch rich­tig“ an.


In wel­chen pas­to­ra­len Berei­chen arbei­test Du?

Schwer­punk­te mei­ner Arbeit sind die Sakra­men­ten-Vor­be­rei­tung (Erst­kom­mu­ni­on, Fir­mung), die Kin­der- und Fami­li­en­pas­to­ral (reli­giö­se Ein­hei­ten und Fei­ern im Kin­der­gar­ten, Kin­der – und Fami­li­en­got­tes­diens­te) und seit eini­ger Zeit die Seel­sor­ge in einem teil­sta­tio­nä­ren Kin­der­hos­piz. Im lit­ur­gi­schen Bereich darf ich ver­schie­dens­te Got­tes­diens­te (mit-)gestalten. Bei all dem liegt mir die Zusam­men­ar­beit mit den Ehren­amt­li­chen und deren Beglei­tung sehr am Her­zen. Alles in allem: Begeg­nung und Beglei­tung der Men­schen in den ver­schie­dens­ten Lebenssituationen.


Was macht Dir bei all die­sen Berei­chen am meis­ten Freude?

Das ist gar nicht so ein­fach zu beant­wor­ten, weil es so vie­le schö­ne Erfah­run­gen sind. Ein Ant­wort­ver­such: Wenn ich das Gefühl habe, dass es gut war, dass wir zusam­men waren – das macht mir ech­te Freude!


Wel­che pas­to­ra­len Berei­che sind dir beson­ders wichtig?

Im Grun­de sind mir alle wich­tig, weil ich den­ke, dass jeder ein­zel­ne Mensch wich­tig und wert­voll ist. Jede und jeder ver­dient“ Wert­schät­zung, Auf­merk­sam­keit und Zuwen­dung. Beson­ders lie­gen mir dabei die Kin­der am Her­zen – vor allem ihnen möch­te ich den lie­ben­den Gott erfahr­bar machen. Im Kin­der­hos­piz wer­de ich manch­mal als See­len-Sor­ge­rin“ bezeich­net. Und das will ich wirk­lich ger­ne sein: eine See­len-Sor­ge­rin“.


Was bedeu­tet es für dich, dass Kir­che mis­sio­na­risch sein soll?

Ein Leit­wort ist für mich ist der Auf­trag“ oder auch die Zusa­ge“, die der Täuf­ling bei Über­rei­chung der bren­nen­den Ker­ze bekommt: Du sollst als Kind des Lich­tes leben“. Nach mei­nem Emp­fin­den sind wir eine mis­sio­na­ri­sche Kir­che, wenn man in unse­rem Den­ken, Urtei­len, Reden und Han­deln spürt, dass wir alle Kin­der des Lich­tes sind“ (nach 1 Tess 5,5).

In unse­ren Pfar­rei­en erle­be ich vie­le Men­schen als mis­sio­na­risch, weil sie die­ses Licht“ spür­bar wer­den las­sen: Men­schen, die mit viel Hin­ga­be und oft selbst­los die Got­tes- und Nächs­ten­lie­be leben, im Hin­ter­grund uner­müd­lich da sind und sich ein­set­zen, damit ihre Mit­men­schen nicht allein gelas­sen sind. Men­schen, die ande­ren in ihrer Not bei­ste­hen, die sie mit ihren Lebens- und Glau­bens­fra­gen ernst neh­men und hel­fen, zu sich und zu Gott zu fin­den. Men­schen, die beacht­lich viel Zeit und Ener­gie auf­wen­den, damit kirch­li­che Gebäu­de und Anla­gen ein­la­dend sind und das Wir­ken der Kir­che etwa durch media­le Arbeit nach außen getra­gen wird.

Es gäbe natür­lich vie­le wei­te­re Bei­spie­le. Da hof­fe ich ein­fach, das sich erfüllt, was im Mat­thä­us­evan­ge­li­um steht: So soll euer Licht vor den Men­schen leuch­ten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Him­mel prei­sen. (Mt 5,15)


Was braucht die Kir­che dei­ner Mei­nung nach, damit sie auch in Zukunft dem Auf­trag Jesu, das Reich Got­tes auf­zu­bau­en, gerecht wird?

Ich glau­be, wir brau­chen immer wie­der eine Rück-Besin­nung auf den eigent­li­chen Auf­trag Jesu und einen inten­si­ven Aus­tausch dar­über, wie wir das Reich Got­tes“ ver­ste­hen. Bei allem gemein­sa­mem Bemü­hen hilft uns sicher ein gro­ßes Gott­ver­trau­en, Fried­fer­tig­keit, Groß­her­zig­keit und das Bewusst­sein, dass Anders­den­ken­de auch Den­ken­de“ und Men­schen, die ihren Glau­ben an Gott anders leben, auch Glau­ben­de“ sind.

Letzt­lich glau­be ich, die Kir­che braucht Men­schen, die eine lie­ben­de Sehn­sucht“ nach Gott und sei­nem Reich“ haben. Wenn wir die­ser Sehn­sucht in uns Raum geben und ande­ren hel­fen kön­nen, in ihrer Sehn­sucht nach mehr“ die Sehn­sucht nach Gott zu spü­ren, mei­ne ich, sind wir auf einem guten Weg, das Reich Got­tes mit auf­zu­bau­en. Denn an dem berühm­ten Satz von Nel­ly Sachs ist in mei­nen Augen schon viel Wah­res: Alles beginnt mit der Sehnsucht“.

Lie­be Ger­traud, vie­len Dank für das Gespräch!

Das Inter­view führ­te Tho­mas Weggartner.

Info Icon Bild: Ulrich Altmann

Weitere Nachrichten

Aus der Wissenschaft
03.06.2025

Das Wesen der Kirche ist Mission

Warum Mission eine innere Konsequenz des Glaubens ist. Ein Beitrag von Kurt Kardinal Koch, habilitierter…

Erfahrungsberichte
03.06.2025

Fromme Wünsche

Ein Beitrag von Michael Kumpfmüller.

Aus der Wissenschaft
03.06.2025

„Ihr seid das Salz der Erde“

Gottes Gegenwart im Dienst der Kirche. Ein Beitrag von Christoph Raedel, Professor für Systematische…

Erfahrungsberichte
03.06.2025

Wo Glaube lebt: Kirche und Familie

Daniela Riel ist eine junge Mutter, die ihren Kindern den Glauben an Gott vermitteln will. Hier berichtet sie…